Wiegel: Auch im ländlichen Raum ist Bildung der Schlüssel zum Erfolg.

Wahlkampfveranstaltung des CDU-Stadtverbandes Romrod in der alten Schmiede mit dem Landtagsabgeordneten Kurt Wiegel.

 

ROMROD. Ein reger Austausch über Chancen und Risiken für den ländlichen Raum in Hessen stand im Mittelpunkt der Wahlveranstaltung des CDU-Stadtverbandes Romrod zur bevorstehenden Landtags- und Bundestagswahl, zu der Stadtverbandsvorsitzender Stephan Paule als Referenten den Landtagsabgeordneten Kurt Wiegel (Lauterbach) sowie einige interessierte Zuhörer in der restaurierten Alten Schmiede in der Romröder Schlossallee begrüßen konnte.

Kurt Wiegel, der erneut als CDU-Direktkandidat für den Vogelsbergkreis kandidiert, hatte seinen Vortrag unter das Thema „Zukunftschancen des ländlichen Raumes“ gestellt. Sehr schnell wurde deutlich, dass die Interessen ländlicher Regionen in allen politischen Parteien im Spannungsfeld zu den Interessen der Ballungsräume, in Hessen insbesondere des Rhein-Main-Gebiets, stehen. Oftmals entstehe der Eindruck, dass „das flache Land“ gegenüber den aufgrund ihrer großen Bevölkerungszahl in den Parlamenten stärker vertretenen Ballungsgebieten das Nachsehen habe, erklärte Wiegel. Gute Argumente und eine klar vernehmbare Stimme für den ländlichen Raum müssten daher ein Gegengewicht zu den Interessen der städtischen Verdichtungsräume bilden. In seiner Erfahrung innerhalb der CDU-Landtagsfraktion, so Wiegel, lasse sich durch gute Argumente und durch entsprechende Kontakte zu den zuständigen Ministerien aber „Einiges für den ländlichen Raum bewegen“. Dies gelte besonders für die Bereiche Naturschutz, Energie und Landwirtschaftspolitik.

Nach 14 Jahren unter CDU-geführten Regierungen stehe Hessen wirtschaftlich so gut da wie noch nie, so Wiegel weiter: Eine geringe Arbeitslosigkeit und ein stetiges Wirtschaftswachstum, von dem auch das früher strukturschwache Nordhessen profitiere, seien dafür Beispiele. Insbesondere der Mittelstand und das Handwerk seien in Hessen stark aufgestellt. Auch die Firmen im Vogelsberg profitierten von dieser Situation und seien in vielen Fällen sogar weltweit aktiv. Eine unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote von nur 4,5 Prozent im Vogelsberg zeige, dass auch die Menschen im ländlichen Raum, von der guten Wirtschaftssituation Hessens profitieren. Verbesserungsbedürftig, so Wiegel, sei aber noch die Wohnortnähe der Arbeitsplätze. „Ein Gutteil der geringen Arbeitslosenzahl erklärt sich dadurch, dass die Menschen aus dem Vogelsberg nach Fulda, Gießen oder ins Rhein-Main-Gebiet pendeln und lange Fahrzeiten auf sich nehmen müssen“, erklärte der Abgeordnete. Durch eine noch bessere Förderung auch kleiner Unternehmen im ländlichen Raum könne die Situation hier noch verbessert werden.

Einen wesentlichen Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg sah Wiegel in den hervorragenden schulischen und betrieblichen Bildungsmöglichkeiten. Die Schullandschaft im Vogelsberg sei differenziert und gut aufgestellt. Die meisten Schulabgänger nach der Mittleren Reife fänden unmittelbar einen Ausbildungsplatz. Auch das Programm „Schule und Betrieb“ (SchuB) sein ein Erfolgsmodell: Viele Schülerinnen und Schüler mit vorher schlechten Schulleistungen erhielten hierdurch zusätzliche Motivation und Förderung. Künftige Arbeitgeber könnten sich gleichzeitig ein Bild von den Begabungen der Jugendlichen machen. Auch hier sei die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge spürbar gestiegen. Im Bereich der gymnasialen Bildung sei der Vogelsbergkreis mit zwei gymnasialen Oberstufen und zwei beruflichen Gymnasien (jeweils in Alsfeld und Lauterbach) ebenfalls gut aufgestellt. Die CDU stehe politisch für die Erhaltung dieser differenzierten Bildungslandschaft, auch für die Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9. Das Gegenmodell der SPD, das unter der Überschrift „längeres gemeinsames Lernen“ nichts anderes sei als die „Zerschlagung“ erfolgreicher Schulstrukturen sei bildungspolitischer „Unsinn“. Durch Gleichmacherei werde kein Kind besser gefördert, so Wiegel. Besonders kritisierte Wiegel die SPD-Pläne zur vollständigen Abschaffung der verkürzten Gymnasialzeit G8 einerseits und dem Ausbau verpflichtender Ganztagsschulen andererseits: An der einen Stelle werde beklagt, wegen G8 müssten die Kinder auch Nachmittags in die Schule, an der anderen Stelle werde gefordert, dass alle Kinder von morgens bis abends in der Schule sein sollen. „Das geht für mich nicht zusammen“, kritisierte der Landtagsabgeordnete.

Eine anschließende offene Diskussion mit den interessierten Romröderinnen und Romrödern moderierte Gastgeber Stephan Paule. Dabei spielten die Themen Landwirtschaft und Energieerzeugung durch erneuerbare Energien eine wichtige Rolle. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass der ländliche Raum gegenüber dem Ballungsraum nicht als „Anhängsel“ betrachtet werden dürfe. Landwirtschaftliche Betriebe, egal ob es konventionell wirtschaftende oder Bio-Betriebe seien, benötigten die Chance, „marktgerecht“ zu produzieren. Zu viele staatliche Einflussnahmen seien dabei ebenso falsch wie ein vollständiger Rückzug des Staates aus der Agrarpolitik. Auch die Abwägung der berechtigten Interessen des ländlichen Raums bei der Erhaltung einer natürlichen Landschaft (Stichwort Windenergie) mit den Klimaschutzzielen von Land und Bund seien eine große Herausforderung. Insbesondere bei diesem Punkt kritisierten einige Romröder den bisherigen Kurs des verstärkten Ausbaus der Windenergie. Gleichzeitig befürchteten sie, dass unter einer Landesregierung unter Beteiligung der Grünen dieser Ausbau noch rücksichtsloser vorangetrieben werden könnte.